25.03.2026

Interview mit Franz Kobleder, Geschäftsführer RDG – Plast und Bernhard Baumberger, Geschäftsführer Walter Kunststoffe

Recycling braucht klare Regeln

Kunststoffrecycler stehen vor großen Herausforderungen: steigende Qualitätsanforderungen, internationaler Wettbewerbsdruck und das Fehlen klarer politischer Rahmenbedingungen. Im Interview sprechen Franz Kobleder von RDG – Plast und Bernhard Baumberger von Walter Kunststoffe über Markttrends, Strategien und notwendige Impulse.

Protraitfotos von Franz Kobleder, Geschäftsführer RDG – Plast und Bernhard Baumberger, Geschäftsführer Walter Kunststoffe
Franz Kobleder, Geschäftsführer RDG – Plast und Bernhard Baumberger, Geschäftsführer Walter Kunststoffe © RDG-Plast / Business Upper Austria

Woher beziehen Sie Ihre Rohstoffe – und nach welchen Qualitätskriterien? 

Baumberger: 

Wir sourcen europaweit. Entscheidend sind genaue Vorgaben zu Verunreinigungen, Be-standteilen, Rheologie, Dichte und Farbe – und natürlich wirtschaftliche Faktoren wie Preise oder Zuzahlungen. 

Kobleder: 

Unsere Rohstoffe stammen überwiegend aus Industrie und Gewerbe sowie aus Sammelsystemen im deutschsprachigen Raum. Wichtig sind definierte Zusammensetzungen, geringe Verunreinigungen und eine präzise Beschreibung der Materialströme. 

Welche Produkte entstehen aus Ihren Rezyklaten und welche Branchen bedienen Sie? 

Baumberger: 

Unsere Kunststoffe fließen in so gut wie alle Industrien – von Automobil und Bau bis zu Alltagsprodukten wie Folien, Paletten, Rohre, Paneele, Kübel oder Gehäuse. 

Kobleder: 

Unsere Regranulate und Mahlgüter werden unter anderem in der Verpackungsindustrie, der Bau- und Dämmstoffbranche, der Konsumgüterindustrie und in technischen Anwendungen eingesetzt. Ziel ist es, Rezyklate anzubieten, die eine echte Alternative zu Neuware darstellen. 

Gibt es unterschiedliche Anforderungen je nach Markt? 

Baumberger: 

Generell steigen die Anforderungen bei Qualität und Herkunftsnachweisen. Zertifikate und PCR-/PIR-Bestätigungen werden zunehmend Voraussetzung. Zudem steigen die Anforderungen an Homogenität und es gibt sehr enge Grenzwerte für Analysenzertifikate (CoA). 

Kobleder: 

Die Unterschiede sind erheblich: In der Verpackungsindustrie dominieren Reinheit, Farbe und konstante Qualität; bei technischen Anwendungen sind mechanische Eigenschaften wie Festigkeit, Schlagzähigkeit oder Temperaturresistenz entscheidend. 

Welche Trends oder neuen Märkte sehen Sie? 

Baumberger: 

Derzeit keine neuen und bestehende stehen unter enormem Importdruck. Hoffnung besteht bei möglichen Lebensmittelzulassungen für spezifische Polyolefin. Ohne regulatorische Eingriffe wird es aber eher weniger Anwendungen geben aufgrund der hohen qualitativen Ansprüche und der Preissituation. 

Kobleder: 

Die Nachfrage verschiebt sich stark in Richtung hochwertiger Rezyklate für technisch anspruchsvolle Anwendungen. Außerdem wächst der regulatorische Druck, Rezyklate einzusetzen. Zunehmend wichtig werden funktionale Spezialrezyklate und die Verwertung komplexer Verbunde. 

Wie positionieren Sie sich strategisch im Wettbewerb? 

Baumberger: 

Derzeit besteht unsere Strategie darin, zu überleben. Wir hoffen, dass PPWR, Recyclingquoten, Plastiksteuern und Zölle endlich faire Wettbewerbsbedingungen schaffen. Internationale Mitbewerber profitieren aktuell von Subventionen und niedrigen Strompreisen, was uns massiv benachteiligt. 

Kobleder: 

Wir investieren in moderne Trenn- und Aufbereitungstechnologien, verbessern Prozesse kontinuierlich und bauen langfristige Partnerschaften mit Kunden und Lieferanten aus. Unser Anspruch: Qualitätsführerschaft – besonders bei komplexen Materialien. 

Welche politischen Impulse würden die Kreislaufwirtschaft stärken? 

Baumberger: 

Wir brauchen Schutz vor Billigstimporten, gleiche Qualitäts- und Umweltstandards für importierte Waren, Entlastungen bei Energiepreisen und verpflichtende Rezyklatquoten – inklusive überprüfbarer Nachweise für Produkte aus Drittstaaten, dass auch hier diese Quoten erfüllt werden. Öffentliche Ausschreibungen sollten stärker auf Kreislaufwirtschaft achten. 

Kobleder: 

Entscheidend sind klare, europaweit harmonisierte Rahmenbedingungen: verbindliche Rezyklatquoten, Förderung recyclinggerechten Designs und Anreize für den Einsatz von Sekundärrohstoffen. Zudem brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen – etwa Zölle auf Dumpingimporte aus Asien. 

Welche Kreisläufe werden für Sie künftig besonders relevant? 

Baumberger: 

Kreisläufe, die uns unabhängiger von Drittstaaten machen: Batterien, Solarzellen, Windräder und Urban Mining. Auch energetische Nutzung sollte erlaubt bleiben, wenn sie fossile Ressourcen einspart. 

Kobleder: 

Neben Verpackung rücken Automotive, Bauprodukte, Elektroaltgeräte sowie Sport-und Freizeitprodukte in den Fokus. Besonders relevant werden komplexe Produkte mit langen Lebenszyklen – technisch anspruchsvoll, aber ökologisch und wirtschaftlich lohnend.

www.rdg-recyclinggroup.com
www.walter-kunststoffe.com

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