17.03.2026

Von der Chance, etwas zu bewegen

Acht Jahre lang hat der CEO der EREMA Group den Kunststoff-Cluster als Sprecher des Beirats geprägt. Ende 2025 hat Manfred Hackl diese Funktion zurückgelegt. Im Interview blickt er auf zentrale Meilensteine seiner Amtszeit zurück und erklärt, worauf es für den Kunststoff-Cluster und den Standort Österreich in den kommenden Jahren ankommen wird.

Manfred Hackl, CEO EREMA Group
Manfred Hackl, CEO EREMA Group © EREMA

Wie hat sich die Kunststoffbranche in Österreich seit 2017 entwickelt und welche Rolle spielte der Cluster dabei? 

Die vergangenen acht Jahre waren sehr dynamisch: Auf eine anfangs wirtschaftlich starke Phase folgte ein massiver Einschnitt durch COVID-19 – gleichzeitig rückte der Nutzen von Kunststoffen stärker ins Bewusstsein. Parallel richtete sich die Branche klar auf Kreislaufwirtschaft aus – gestärkt durch Initiativen wie die Technologie-Roadmap Sustainable Plastics Solutions, die der KC maßgeblich mitgeprägt hat und die heute ein zentraler Orientierungsrahmen für Forschung und Innovation ist. Gleichzeitig nahm der wirtschaftliche Druck durch hohe Energiepreise, schwächere Nachfrage und Importdruck zu, weshalb klare europäische Leitplanken wie der Clean Industrial Deal an Bedeutung gewinnen. Wesentliche Fortschritte gab es auch in der Ausbildung: Neue Studiengänge an der JKU und der Aufbau der LIT Factory haben wichtige Impulse gesetzt. Zudem gewann die digitale Transformation an Bedeutung, insbesondere für KMU. Der KC stärkt hier Bewusstsein und bietet Zugang zu Förderungen, um konkrete Digitalisierungsschritte anzustoßen. 

Welche Ereignisse und Initiativen des KC sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? 

Es sind jene Momente, in denen es gelungen ist, Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette an einen Tisch zu bringen, und daraus konkrete Projekte entstanden sind. Dazu zählen die Harmonisierung des Gelben Sacks in Österreich, der enge Schulterschluss von Sammlung, Sortierung und Recycling sowie erfolgreiche Projekte wie der Speiseölsammelbehälter „Öli“ aus 100 % PCR auf Polyolefinbasis oder das Leitprojekt CIRCUMAT. 

Welche Vorteile haben Firmen, die sich aktiv im Cluster einbringen? 

Kreislaufwirtschaft gelingt nur, wenn alle Glieder der Wertschöpfungskette an einem Strang ziehen. Der Cluster bringt diese Akteure zusammen und ermöglicht Austausch, Wissenstransfer und gemeinsame Projekte. Unternehmen gewinnen dadurch Tempo, neue Blickwinkel und verlässliche Partner. Genau das macht den Unterschied in einem Markt, der sich aktuell stark verändert. 

Wie kann Österreich seine Position als Kunststoff- und Forschungsstandort langfristig sichern? 

Österreich verfügt über eine europaweit einzigartige Dichte an Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Maschinenbaukompetenz innerhalb der Kunststoff-Wertschöpfungskette. Diese Nähe zueinander ist eine enorme Stärke, die wir weiter nutzen müssen. Entscheidend wird sein, Rezyklate in deutlich größerem Umfang in hochwertigen Anwendungen einzusetzen. Nur so lassen sich die Kreislaufwirtschaftsziele der EU erreichen. Dafür braucht es technologischen Fortschritt, verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschung und Politik. Wenn es uns gelingt, diesen Schulterschluss weiter auszubauen und gleichzeitig international sichtbar zu bleiben, hat Österreich beste Chancen, seine Rolle als Innovationsstandort zu sichern. 

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – was sollte sich in der Kunststoffbranche ändern? 

Ich wünsche mir eine faire und faktenbasierte Bewertung von Kunststoff im Vergleich zu anderen Materialien. Kunststoff ist Teil der Lösung und wird für viele Anwendungen auch künftig unverzichtbar bleiben. Entscheidend ist, dass wir ein funktionierendes System schaffen, in dem alle Materialien im Kreislauf geführt werden können – egal ob Kunststoff, Papier oder Aluminium. Wir haben in Österreich die Chance, etwas zu bewegen, wenn Wirtschaft und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen. 

Was möchten Sie Ihren Nachfolgern abschließend mit auf den Weg geben? 

Dass sie den Wertstoff Kunststoff und die Bedeutung unserer Branche weiterhin selbstbewusst und faktenbasiert nach außen tragen. Wenn wir klar kommunizieren, welchen Beitrag Kunststofftechnologien für Wirtschaft, Umwelt und Wohlstand leisten, schaffen wir Vertrauen – und sichern die Zukunft dieses Industriezweigs.

 

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